Tai Chi-Entspannung pur

Ingomar Schwelz

29. September 2015

Tai Chi  oder auch chinesisches Schattenboxen ist eine Methode zur Gesundheitsförderung und Entspannung, die seit einigen Jahrhunderten im Fernen Osten praktiziert wird und seit Mitte des 20. Jahrhunderts zunächst in Amerika und dann in Europa bekannt wurde.

Der Name Tai Chi Chuan bedeutet aus dem Chinesischen übersetzt soviel wie „oberstes Prinzip des Faustkampfes“. Tai Chi gehört zu den ganzheitlichen Ansätzen, da es der Gesundheit und Erholung sowohl des Körpers als auch des Geistes und der Seele dient. Wie bei verschiedenen anderen praktischen Ansätzen aus dem Fernen Osten gibt es auch beim Tai Chi mehrere Schulen, die eine leicht voneinander abweichende Philosophie verfolgen.

Bewegliche Gelenke

Ursprünglich war Tai Chi eine Kampfkunst zur Selbstverteidigung, heutzutage ist insbesondere in den westlichen Ländern der Gesundheitsaspekt immer weiter in den Vordergrund gerückt. Sinn von Tai Chi ist nicht die rohe Kraft, sondern ein besonderes feines und graziles Bewegungstraining. Durch Tai Chi soll eine Muskelentspannung sowie eine bessere Beweglichkeit der Gelenke bewirkt werden.

Nach Ansicht der Ausübenden des Tai Chi kommen die Bewegungen nicht durch Muskelimpulse, sondern durch die Lebensenergie (Qi) zustande, die in jedem menschlichen Körper durch bestimmte Leitungsbahnen, die so genannten Meridiane, fließt. Eng verbunden ist dies mit dem Prinzip der Gegensätze Yin und Yang und dessen Gleichgewicht. Bei Störungen der Lebensenergie kann es zu Krankheiten kommen. Diese Blockaden sollen durch das Ausüben von Tai Chi gelöst werden und die Harmonie im Organismus wiederhergestellt werden.

Das Praktizieren von Tai Chi bewirkt ebenso eine Lösung von Verspannungen in der Muskulatur, eine Verbesserung der Haltung sowie der Körperwahrnehmung. Eine positive Wirkung von Tai Chi auf den Kreislauf und die Sauerstoffversorgung ist ebenfalls nachgewiesen.

Meditation in Bewegung

Die Übungen beim Tai Chi sind meist recht einfach und problemlos ausführbar. Menschen, die im Alltag normale Bewegungen ausführen können, sind in der Regel auch in der Lage, Tai Chi zu praktizieren. Ein Großteil der Bewegungen sind langsam und harmonisch. Durch diese sanften Bewegungsmuster ist Tai Chi auch nützlich für den Geist und die Konzentration, man kann es fast als eine Art Meditation im Zusammenhang mit Bewegungen bezeichnen. Eine Übungseinheit beim Tai Chi, bei der unterschiedliche aneinander gehängte Bewegungsmuster oder Bilder ausgeführt werden, bezeichnet man als Form.

Diese kann zwischen einigen Minuten bis zu einer halben Stunde oder länger dauern. Bekannte Formen sind die Peking-Form mit 24 aneinander gereihten Bildern und die Yang-Stil-Form mit 37 Bildern. Es gibt auch sehr lange Formen, die mehr als 100 Bilder beinhalten. Obwohl die Bewegungsabläufe nicht allzu schwierig sind, sollte man sich von einem Meister im Tai Chi schulen lassen, um Fehler und Probleme bei der Ausführung erkennen zu können. Tai Chi sollte nur sehr vorsichtig durchgeführt werden bei verschiedenen Problemen der Muskulatur und der Gelenke. Tai Chi erweist sich vor allem für diejenigen Menschen als nützlich, die unter Stress leiden und sich im Alltag nur unzureichend bewegen.

Durch den ganzheitlichen Aspekt kann Tai Chi bei den verschiedensten Beschwerden Linderung bringen und auch zu einem gesunden Lebensstil beitragen. Als konkrete Therapie bei bestimmten Krankheiten sollte man jedoch auch auf andere Behandlungsformen zurückgreifen.