Yoga als Lebensweg

Ingomar Schwelz

29. September 2015

Yoga liegt in Deutschland voll im Trend. Wie kommt es, das drei bis vier Millionen Menschen regelmäßig in Deutschland Yoga praktizieren? Die Mischung kommt an: Yoga verbindet Körperübungen mit Atemtechniken, Meditation und Tiefenentspannung.

Der körperliche Aspekt ist dabei nur ein Teil vom Ganzen – beim Praktizieren von Yoga sind Flexibilität, Stärke, Balance, Ausdauer und Entspannung die entscheidenden Faktoren. Im Yoga werden somit zahlreiche Aspekte des Menschen angesprochen und vor allem finden beispielsweise auch Sportler die nötige innere Ruhe, Gelassenheit und Konzentration. Der Beruf des Yoga-Lehrenden ist inzwischen gesellschaftlich anerkannt und gewinnt beständig Bedeutung in der Gesundheitsbranche – es gilt, dem Menschen einen ganzheitlichen Übungsweg im Alltag anzubieten.

Der Körper ist Teil unserer Seele. In der Übersetzung bedeutet das Sanskrit-Wort Yoga „Verbindung“. Gemeint ist die Rück-„Verbindung“ des persönlichen Ich mit dem universellen, unsterblichen „Selbst“.

Das Lehren des Yoga beruht auf einer Tradition, die einige tausend Jahre alt ist und die sich aus verschiedenen geistigen und spirituellen Strömungen Indiens entwickelt hat. Vor rund 100 Jahren ist von Indien die erste Yogawelle in den Westen geströmt und erlangte in den 30er Jahren ihren ersten Höhepunkt.

Der Exilrusse Boris Sacharow gründete 1937 die erste Yogaschule. In jener Zeit war es vor allem der Inder Selvarajan Yesudian  und die Ungarin Elisabeth Haich, die dem klassischen Hatha-Yoga eine Basis in der Gesellschaft verschafften.

Das Praktizieren von Körper -und Atemübungen galt in diesen frühen westlichen Yoga-Schulen immer nur als Einstieg in die geistige Dimension des Königlichen Raja-Yoga, mit seinen Techniken zur Konzentrationssteigerung und zur Meditation.

Die Lehrmethode wurde durch viele spirituelle Lehrer geformt, wie dem Yogameister B.K.S. Iyengar, der als junger Mann unter Tuberkulose und Typhus litt – er soll sich selbst durch eine intensive Yoga-Praxis kuriert haben. Heute praktizieren Millionen Menschen auf der Welt das Iyengar-Yoga. Oder auch das Yoga des spirituellen Meisters Yogananda, genannt Kriya-Yoga. Bei dieser Form stehen die Aspekte Meditation und Atemübungen als intensive Praxis im Vordergrund und nicht die klassischen Körperübungen (Asanas). Viele andere Yoga-Stile wie das Ashtanga-Yoga, Hatha-Yoga und Bikram-Yoga helfen dem Menschen den geeigneten Übungsweg je nach individuellem Bedürfnis zu finden.

Die Praxis des Yoga

Bleiben wir beim körperbezogenen Yoga, der Asana (Sitz) und den sich daraus entwickelnden Asanas (Yoga-Übungen), ohne dabei die mentale spirituelle Ebene aus den Augen zu verlieren, dann sind wir „in der Mitte“, denn nur ein gesunder Körper und ein gesunder Geist verschaffen inneres Gleichgewicht, Gesundheit und ein harmonisches Empfinden.

Jede Asana hat seine bestimmt Eigenart und dient dem gesamten Körper, obwohl – der Eigenart zur Folge – ein bestimmtes Körperteil besonderes favorisiert wird. Das Wesentliche ist die Ruhe, die man in der eingenommenen Asana findet. Durch die Aufhebung jeder Körperbewegung, das Zentrieren des Geistes auf das, was wir tun, wird die Lebensenergie auch dahin fließen, wo sie entsprechend der Asana gebraucht wird.

Der Weg ist das Ziel

Yogaübungen verfolgen heute einen ganzheitlichen Ansatz, der Körper, Geist und Seele in Einklang bringen soll. Kombiniert werden Asanas, Atemübungen sowie Meditationsübungen Phasen der Tiefenentspannung. Die Ausübung der Asanas soll das Zusammenspiel von Körper, Geist, Seele und Atem verbessern. Angestrebt wird eine verbesserte Vitalität und gleichzeitig eine Haltung der inneren Gelassenheit. Beliebt ist hierzulande vor allem das klassische Hatha Yoga, das zur Rückgewinnung des inneren und äußeren Gleichgewichts des Menschen beiträgt. Daraus resultiert ein achtsamer Umgang mit sich selbst, den Mitmenschen und der Umwelt.