Erleuchteter Alltag

Ingomar Schwelz

30. September 2015

Das tägliche Leben als spirituelle Übung

Die zwölf Stufen des US-Bestsellerautors Dan Millman zur Entwicklung des eigenen Potentials.

Im Jahr 1967 saß das US-Turneras Dan Millman auf einem Bürgersteig im kalifornischen Berkley und schälte sich eine Grapefruit. Plötzlich spürte er ganz tief in seiner Seele ein Gefühl: Alles ist perfekt! Die vorbeifahrenden Autos, der Müll, die Menschen, die Häuser. „Das“, erzählt Millman heute, „war meine Erleuchtungserfahrung“. Es war ein Moment, dem der Bestsellerautor und spirituelle Lehrer den Stempel „freie Aufmerksamkeit“ gibt. Ein Moment, in dem wir durch nichts gefangen sind, von nichts abgelenkt und so plötzlich die Chance erhalten, mit der kosmischen Energie in Übereinstimmung zu kommen. „Es gibt Gott“, sagt Millman, „wir sind meist nur nicht aufmerksam genug, ihn zu bemerken“.

In seinem Buch „Erleuchteter Alltag“ gibt der Autor der Trilogie vom „friedvollen Krieger“ dem nach inneren Wachstum strebenden Leser einen Schlüssel in die Hand, mit dem dieser seine gefangene Aufmerksamkeit wieder befreien kann. Ein Erleuchtungserlebnis verblast nur allzu schnell, da bedarf es einer Methode, den Gipfel immer wieder bewußt zu erklimmen.

Für Millman ist unsere Aufmerksamkeit in genau zwölf Bewußtseinstoren gefangen. Wollen wir ein Talent fürs Leben entwickeln, den Kopf in den Wolken und die Beine am Boden halten, sollten wir durch diese Tore gehen. Für Millman ist menschliche Entwicklung „eine Schulausbildung, die wir absolvieren, indem wir Prüfungen in zwölf Hauptfächern bestehen“.

Gott fülle uns die ganze Zeit mit Energie auf, doch wir würden nichts davon bemerken. Durch Lecks, die meist aufgrund negativer Gedanken und Gefühle entstünden, würde die Energie wieder ungebraucht abfließen. Millman will zeigen, wie die Lecks zu stopfen sind und  wir so in den Besitz der kosmischen Kraft kommen. Und im täglichen Leben können wir dann diese Energie umsetzen, denn der Alltag, meint Millman, „ist das Klassenzimmer Gottes“.

Die zwölf Tore zum Erleuchteten Alltag (eines baut auf das nächste auf):

1. Entdecke deinen eigenen Wert – Öffne dich dem Leben

Der Mensch bekommt, was er glaubt, daß er verdient. Darum brauchst du dich selbst nur wie einen geliebten Menschen zu behandeln, solltest selbstzerstörerische Verhaltensweisen und immer wiederkehrende Tendenzen zur Eigensabotage ablegen und dich den Chancen des Lebens öffnen. Dein Selbstwertgefühl wächst, wenn du wertvolle Dinge tust. Stelle dir die Frage: „Wieviel Glück kann ich im Augenblick verkraften?“

2. Erobere dir deinen Willen zurück – Die Kraft, etwas zu verändern

Wenn deine Motivation zu wünschen übrigläßt, übernimmt deine Willenskraft die Führung. Sobald  du nicht mehr wartest, bis du motiviert bist, setzt du deinen Willen ein. Nur dein Tun bestimmt dein Schicksal. Die drei Zauberworte lauten: Tu es einfach! Erkenne was zu tun ist, und dann tu es einfach! Akzeptiere aufkommende Gedanken und Gefühle, doch lasse dich durch sie von deiner Aufgabe nicht ablenken! Die reifsten Früchte wachsen auf den höchsten Ästen. Um diese Früchte pflücken zu können, mußt du klettern -Schritt für Schritt, Tag für Tag.

3. Schenke deinem Körper neue Energie – das Fundament deines Lebens

Dein Körper ist das einzige, was du ein Leben lang behalten wirst. Also halte dich an die heilige Dreifaltigkeit eines gesunden Lebens: leichte Ernährung, regelmäßige Bewegung, genügend Ruhe. Vergiß nicht tief zu atmen – damit kannst du dein genetisches Potential verbessern, wirst gesünder, vitaler und energiegeladener. Warte nicht, bis du Zeit hast, um gesund zu leben – nimm dir die Zeit dazu !

4. Der richtige Umgang mit Geld – Materielles Auskommen, eine spirituelle Übung

Zuerst solltest du über deine unterschwelligen negativen Einstellungen zum Geld hinauswachsen. Wisse es zu schätzen und gehe klug damit um, so wie du es mit jeder anderen Form von Energie auch tun würdest. Nutze deine Talente und  Fähigkeiten, so gut du kannst, um dir ein regelmäßiges, ausreichendes, ja vielleicht sogar hohes Einkommen zu sichern, und dann gib es aus, verschenke, spare.

5. Bezähme deinen Geist – Von innerem Frieden und der Einfachheit der Realität

Denke immer daran, daß die Welt nicht das ist, wofür du sie hältst. Blicke über den Filter deiner Wahrnehmung hinaus, um die Welt so zu erfassen, wie sie ist, in ihrer ganzen Einfachheit von Augenblick zu Augenblick. Laß deine Gedanken einfach fließen, und konzentriere dich auf das, was im Augenblick gerade vor dir liegt, dan wirst du inneren Frieden und Erleuchtung finden.

6. Vertraue auf deine Intuition – Wie man zu seiner inneren Führung Zugang findet

Du weißt viel mehr und hast Zugang zu mehr Wissen, als du je gelesen oder studiert oder von anderen Menschen erfahren hast. Vertraue auf diese tief in deinem Inneren verwurzelte, uralte menschliche Fähigkeit. Werde wieder ganz, indem du beide Gehirnhälften benutzt und respektierst und dich auf sie verläßt – aber nicht gleichzeitig. Höre auf deinen Verstand, aber vertraue deinem Herzen.

7. Akzeptiere deine Gefühle – Im Zentrum des Wirbelsturms

Ein Leben ohne Gefühle wäre still und regungslos wie der Tod – wie eine Welt ohne Wetter. Akzeptiere deine Emotionen so, wie sie sind. Ob sie nun angenehm sind oder weh tun – sie sind etwas ganz Natürliches, und es gibt keinen Grund, sie zu korrigieren. Lasse diese wechselhaften Emotionen einfach in dir aufsteigenund wieder abklingen, aber erlaube ihnen nicht, dein Leben zu regieren.

8. Sieh deinen Ängsten ins Auge -Das Leben eines friedvollen Kriegers

Angst ist wie ein Chamälion – manchmal kann sie ein weiser Führer sein, dann wieder ein furchtbarer Tyrann. Respektiere deine Angst, aber lasse sie niemals dein Meister werden: Wenn es um eine physische Gefahr geht, höre ruhig auf deine Ängste, doch wenn du dich psychischen Gefahren gegenübersiehst, dann tue das, wovor du am meisten Angst hast, und werde ein friedvoller Krieger.

9. Erleuchte deinen Schatten – Ein Weg zu mehr Echtheit und Mitgefühl

Ehe du dein Licht sehen kannst, mußt du dich erstmal mit der Dunkelheit auseinandersetzen. Das Bild von dir selbst, das du der Welt zeigst, ist nur die sichtbare Spitze des Eisberges. Akzeptiere all deine Schattenseiten, erlöse die dunklen Möglichkeiten deiner Persönlichkeit, damit du bewußt im Licht leben und zu Ganzheit, unverfälschtem Ausdruck deiner selbst und Mitgefühl finden kannst.

10. Öffne dich für deine Sexualität – Feiere das Leben

In deinem Umgang mit Sexualität spiegelt sich deine Beziehung zum Leben wieder. Sexuelle Erleuchtung geht über beide Extreme – Selbstverleugnung ebenso wie Hemmungslosigkeit – hinaus und findet zu einem hundertprozentigen, harmonisch ausgewogenen Ausdruck der sexuell-kreativen Energien. So entsteht ein enges, vertrautes Band zwischen dir, deinem Partner und dem Geist.

11. Erwecke dein Herz – Die heilende Kraft der Liebe

Das Gefühl der Liebe kommt und geht wie Wogen im Ozean. Die dauerhafte Liebe des  erweckten Herzens hingegen ist kein Gefühl, sondern Tun. Dann verbindest du Liebe und Willenskraft miteinander und gehst den Weg der Heiligen, indem du allen Lebewesen Güte und Barmherzigkeit zeigst – ob du nun gerade so empfindest oder nicht.

12. Diene deiner Welt – Der Kreis des Lebens schließt sich

Sobald du alles gesehen hast, was es zu sehen gibt – sobald das Leben dir das Bild deiner selbst enthüllt hat, so wie du wirklich bist -, wirst du nach Möglichkeiten suchen, wie du der Welt am besten dienen kannst. Das Leben selbst – deine Arbeit, deine Familie, und jeder Kontakt zu anderen Menschen – ist eine Chance zu dienen, dich mit der Welt zu verbinden, einen Sinn im Augenblick und einen Zweck im Spiel zu finden.